Alltag und Inhaltsstoffe

“Rostschreck” schützt vor Rost in der Spülmaschine?

geschrieben von Ole

Heute morgen beim Durchblättern der Sonntags”zeitung” ist mir ein Werbeprospekt vom Discounter aufgefallen, in welchem auf der letzten Seite der “Rostschreck” angepriesen wurde. Bekannt aus dem Fernsehen, soll das Produkt dafür sorgen, dass sich kein Flugrost mehr auf dem guten Besteck bildet. Er “saugt” diesen wahrhaftig an. Das beste an der ganzen Geschichte es ist “ohne Chemie”, das ist so erstaunlich, dass es gleich zweimal auf der Angebotsseite angepriesen wird.

Die Werbeanzeige des “Rostschrecks”.

Lösung für ein nicht-existentes Problem

Vielleicht mag es daran liegen, dass ich nur rostfreies günstiges Edelstahl Besteck besitze, aber ich hatte noch nie Rostprobleme mit meiner Spülmaschine. Würde mich tatsächlich interessieren, ob dies bei anderen Menschen wirklich ein Problem darstellt…

“Ohne Chemie” ist hier gar nichts

Gut das hätte man erwarten können. Denn auch Metalle sind irgendwie Chemie und die stattfindende “Magie” des “Rostansaugens” ist auch Chemie vom feinsten. Die Krone setzt dem ganzen aber noch das Symbol für “Ohne Chemie” auf. Eine offene Hand in welcher Bäume stehen. Idylle. Leider gibt es hier ein klitzekleines Problem. (Surprise!)

Der “Rostschreck” besteht aus…ja, aus was eigentlich? Recherchen auf der (Hochglanz)-Webseite des Unternehmens erbrachte keinen Einblick in das Material. Ist es “magisch” und “ohne Chemie” und deshalb nicht näher spezifiziert? Oder ist das Material so rudimentär, dass man nicht offenlegen will, dass man ein eigentlich sehr günstiges Produkt zum Wucherpreis verkauft? (Wer würde sowas schon machen?)

Nun ja, woraus dieses kleine Helferlein genau besteht, vermag ich auch nicht zu sagen. Aber wir nehmen mal an,  dass es eine Aluminium-Oberfläche besitzt. Nach der Debatte von Aluminium in Deos, kann ich aber verstehen, warum man dass jetzt nicht gerade öffentlich so vermarkten will. Aber zurück zum eigentlichen Thema dem idyllischen Symbol “ohne Chemie”. Aluminium hat eine ziemlich bescheidene Klimabilanz. Es gibt zwar viel, aber lediglich als Erz in Bauxit. Regenwälder werden für die Aluminium-Gewinnung gerodet. Das Bauxit wir mit Natronlauge versetzt und es wird Aluminiumoxid freigesetzt und jede Menge Rotschlamm (giftig, umweltgefährlich, letzter großer Unfall: 2010 in Ungarn). Sehr idyllisch und “ohne Chemie”…

(Ergänzung: Eventuell auch Magnesium oder Zink oder eine Kombination aus allen)

Wie funktioniert der Rostschreck?

Nachdem wir festgestellt haben, dass es sich bei dem “Rostschreck” schon um Chemie handelt, stellt sich noch die Frage wie funktioniert die “Rostansaugung” denn nun?

Man macht sich hier das Prinzip der Opferanode zu nutzen. Das Prinzip wird schon seit Ewigkeiten in anderen Branchen, beispielsweise im Schiffsbau, verwendet. Dabei stellt man eine leitende Verbindung zwischen einem edlen und einem unedlem Metall her. Das unedle Metall ist die sogenannte Opferanode, denn unedle Metalle lassen sich leichter oxidieren als edle Metalle. Für Eisen bietet sich der Nutzen von Aluminium an. Anstelle von Eisenoxid (=Rost) bildet sich dann erstmal Aluminiumoxid auf dem “Rostschreck”.

Schabernack oder nicht?

Wenn ihr tatsächlich Probleme mit Flugrost in der Spülmaschine habt, wird der “Rostschreck” helfen. Seid euch aber darüber bewusst, dass ihr einen Wucherpreis für diesen kleinen Metallblock ausgebt und ihr vielleicht alternativen finden könnt, die mit weniger Schwachsinnsvermarktung daherkommen.

“Ohne Chemie”?

Wie wir jetzt gesehen haben funktioniert der “Rostschreck” nur auf Grund der zugrunde liegenden chemischen Prozesse. Des Weiteren wurde das Material selbst durch chemische Prozesse gewonnen und hergestellt und besteht aus Elementen aus dem Periodensystem. Ohne Chemie ist da also gar nichts.

Titelbild: Bildschirmausschnitt von rostschreck.de
Bild im Beitrag: eigenes Bild 

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Ole

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