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Meine Arbeit am DKFZ

geschrieben von Ole

Die erste Woche am DKFZ ist fast vorbei und schon jetzt gibt es spannendes zu berichten. Ergebnisse aus dem Labor lassen zwar noch auf sich warten (aus verschiedensten Gründen durfte ich da nämlich noch gar nicht aktiv arbeiten), aber ich möchte kurz etwas zu der Arbeit an sich erzählen.

In meinem bisherigen Studium habe ich schon oft und auch lange Zeit im Labor verbracht um irgendwelche Moleküle zu kochen. Es ist in den so genannten Praktika während des Bachelor Studiums aber so, dass man eine exakte Vorgabe hat, was und wie man eine Substanz herstellen so. Es ist wie Kochen nach Kochbuch. Hat man die Praktika und Klausuren überstanden, schreibt man im Normalfall eine Bachelorarbeit. In der soll im besten Fall schon gelerntes angewendet und ein Problem gelöst werden.

Von dieser (romantischen) Vorstellung muss man sich aber sehr schnell verabschieden. In fast allen Fällen arbeitet man während der BA unbezahlt für einen Doktoranden und erledigt die Laborarbeit eines CTAs. Mit dem Unterschied, dass man sich einredet, dass man selbst die Ergebnisse produziert hat und diese unglaublich wichtig sind. Man vergisst dabei oft, dass man nur den Anweisungen des Doktoranden folgt und diesen auch mit allen (häufig offensichtlichen) Fragen löchert.

Von eigenständiger Arbeit oder Lösung eines Problems kann also nicht wirklich die Rede sein. Im Masterstudiengang müssen dann drei Forschungspraktika absolviert werden. Vom Namen her würde man denken, dass man jetzt endlich alleine auf ein Problem losgelassen wird. Aber auch das ist an der Uni nur sehr selten der Fall. Bei meinem Forschungspraktikum in der Uni habe ich gefühlt noch weniger selbst einbringen dürfen als bei meiner Bachelorarbeit, wo ich immerhin meine Versuchsreihen selbst (vor)planen konnte.

Im Grunde genommen habe ich bis zum Start des Praktikums am DKFZ also nur unter Anleitung und mit sehr spezifischen Arbeitsaufträgen gearbeitet. Hier am DKFZ ist nun aber alles anders. Und das ist sehr gut so!

Ich habe eine Leitstruktur für einen Liganden bekommen und soll nun selbst diese Leitstruktur verändern, sodass er für die spezielle Anwendung besser geeignet ist. Tja, und das war es eigentlich auch. Mein Chef hat mir ein paar Tipps gegeben welche Veränderungen aus Erfahrung möglicherweise erfolgreich sein könnten, es mir aber überlassen welche Veränderungen ich am Ende umsetze. Das heißt für mich, Veröffentlichungen suchen um zu erfahren, warum und wieso diese Leitstruktur überhaupt aktiv ist. Wie sie an einem Enzym wirkt und wie das aktive Zentrum (welche Aminosäuren, wie viel Platz, …) aussieht. Und mit Hilfe dieser ganzen Informationen “designe” ich dann die Leitstruktur so, dass sie theoretisch spezifischer wirken sollte. Ob das am Ende wirklich so ist werden diverse in-vitro und in-vivo Studien zeigen müssen, die werde ich aber nicht mehr selbst durchführen können. Dafür sind 6 Wochen doch zu kurz.

Was ich eigentlich sagen möchte: Endlich lässt man mich als Forscher im wahrsten Sinne des Wortes arbeiten und gibt mir nicht vor, was ich jetzt bitte zu kochen habe. Dieser Freiheit möchte ich nicht wieder beraubt werden.

Beitragsbild: Ein bedeckter morgen in Heidelberg, geschossen auf dem Weg zum DKFZ.

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Ole

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