Alltag und Inhaltsstoffe

Kommentar: Alkohol aus Müll (Spektrum.de)

geschrieben von Ole

Gerade wurde auf Spektrum ein Artikel veröffentlicht in dem davon gesprochen wird, dass in Rotterdam eine Anlage gebaut werden soll, die Müll zu Methanol umsetzt.
Der Weg soll dabei über das Synthesegas gehen, welches vorher aus dem Müll hergestellt wird. Im Grunde, wird dabei der Rohstoff unter Bedingungen vergast, bei denen Kohlenstoffmonoxid nicht zum Kohlenstoffdioxid durchoxidiert.

Methanol ist ein sehr gebräuchlicher Rohstoff der chemischen Industrie, und einer der Stoffe, die im Megatonnen Maßstab hergestellt werden.
Aktuell beläuft sich die jährliche Produktion von Methanol auf ungefähr 138 Milliarden Liter (110 Megatonnen) Methanol.
Es wird auch im Moment aus Synthesegas hergestellt, welches aber fossilen Ursprungs ist. Die chemische Industrie benötigt einen Löwenanteil von den 110 Megatonnen Methanol. Es ist also durchaus allen daran gelegen Methanol irgendwie aus Biomasse herzustellen.

Doch schauen wir uns das vorgeschlagene Projekt etwas genauer an. Der Betreiber hat schon eine funktionierende Anlage in Kanada installiert. Die dortige Anlage, die seit letztem Jahr Methanol aus Abfällen produziert hat eine Kapazität von 38 Millionen Litern (30 Tonnen). Auch wenn die Literkapazität groß klingt, sprechen wir hier über eine sehr kleine Anlage. Die zur Zeit größte Methanolanlage wurde von Lurgi geplant und hat eine Kapazität von über 1 Millionen Tonnen Methanol pro Jahr. (Hier gibt es nähere Infos und Bilder zu der gigantischen Anlage in Trinidad)

Eine Biomethanolanlage ist somit nett, aber im aktuellen Maßstab nicht hilfreich. Dazu kommt noch, dass Methanol aus fossilen Rohstoffen deutlich günstiger ist. Biomethanol ist zwischen 1,5-4 mal teurer als fossiles Methanol. Natürlich werden konventionelle Methanolanlagen am absoluten Maximum gefahren, dort ist technisch kaum noch eine bessere Effizienz herauszuholen. Da wir hier aber von einem Produkt sprechen, welches als Basischemikalie weiterverarbeitet wird, ist selbst ein 1,5-fach höherer Preis am Ende ein Ausschlusskriterium. Nicht ohne Grund probiert die moderne technische Chemie aus Biomasse direkt deutlich wertvollere Produkte herzustellen und nicht alles bestehende zu den einfachsten Gasen umzusetzen und von dort aus langsam wieder komplizierte Moleküle aufzubauen.

Beitragsbild: Auschnitt aus Schnappschuss  / pixelio.de 

About the author

Ole

Leave a Comment