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5 Tipps um sich und andere nicht im Labor in Gefahr zu bringen

geschrieben von Ole

Für alle (angehenden) Chemiker da draußen und für alle, die sich fragen: “Woher weiß man eigentlich, dass das nicht explodiert?”. Diese berechtigte Frage probiere ich mit 5 einfachen aber existenziellen Tipps zu beantworten.

Mit welchen Substanzen arbeite ich?

Wird eine neue Reaktion im Labor durchgeführt, informiert man sich klassischer und logischerweise zunächst über die Substanzen, die in der Reaktion eingesetzt werden. Dazu sollte man sich als erstes die H- und P-Sätze der Substanzen anschauen. Diese benennen Gefahren für den eigenen Körper (H-Sätze) und charakteristische Eigenschaften bezüglich des Handlings (P-Sätze). Damit ist einem sofort klar, ob es sich um toxische und/oder explosive Substanzen handelt.

Wie gehe ich mit meinen Ausgangssubstanzen um?

Beim studieren der H- und P-Sätze sollte schon auffallen, ob eventuelle Substanzen luft- und/oder wasserempfindlich sind. Entsprechend müssen zunächst Vorkehrungen für das Arbeiten unter Luftauschluss getroffen werden.

Unter Umständen sind die Ausgangssubstanzen aber auch schockempfindlich oder zersetzen sich schon bei niedrigen Temperaturen explosionsartig. Sind diese Gefahren bekannt können Unfälle, durch korrektes Handling der Substanzen (bei niedrigen Temperaturen, ohne Schockeinwirkung, entfernt von Funken, …), vermieden werden.

Kreuzwirkungen?

Wie auch bei Medikamenten, sollte auch in der Chemie immer das Gesamtbild betrachtet werden, also die gesamte Reaktionslösung. Wasserstoffperoxid und Aceton sind für sich genommen vergleichsweise ungefährliche Substanzen. Mischt man sie jedoch zusammen entsteht APEX, welches höchstexplosiv ist. Dieser exakte Vorfall hat sich vor nicht allzu langer Zeit tatsächlich an der Universität in Bristol so ereignet.

Reaktionsbedingungen?

Neben den Nebenreaktionen sollte man sich auch immer die Reaktionsbedingungen vor Augen führen. Wird die Reaktion über dem Siedepunkt meiner Komponenten durchgeführt? Dann muss die Reaktionsapparatur diesen hohen Drücken zwangsweise standhalten. Bei Glasgeräten bedeutet dies zwangsläufig, dass die Apparatur kein geschlossenes System darstellen darf.

Es könnten aber auch eine Reaktion sein, bei der es zum Gelieren der Reaktionslösung kommt. In solchen Fällen kann es bei exothermen Reaktionen zur Entstehung von Hot-Spots kommen, welche zum Bersten des Glases führen können.

Wie steht es um die Reaktionsprodukte?

Zuletzt bedarf es einer Betrachtung der Reaktionsprodukte. Was wird eigentlich hergestellt? Gerade bei der Synthese neuartiger Verbindungen ist größte Vorsicht geboten, da diese Verbindungen keine toxikologische Klassifizierung haben. Ein klassisches Beispiel sind aber auch Laborpraktika von Studenten, in denen Bromessigester als Zwischenprodukt hergestellt und isoliert wird. Bromessigester ist stark augenreizend und wurde im ersten Weltkrieg als Tränengas verwendet. Wer sich dessen nicht bewusst ist und den Kolben offen rumstehen lässt, wird schnell die Wirkung der Substanz spüren.

Disclaimer:

Die Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einige wichtige Punkte aufzeigen. Für jede Reaktion sollte man sich ausführlich über alle möglichen Gefahren informieren und im Zweifel Kollegen um Rat fragen.

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Ole

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